NEU!! Seminar: Akustik der Streichinstrumente, SS '04, Wahlfach, 2 Semester Stunden (Sechs Termine zu 2.5 St.)

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

 

Dieses Seminar wird als Blockveranstaltung angeboten. Die Termine werden bei der ersten Session am Samstag, den 20. März um 9.30, Zi. 6a (3. Stock), Singerstrasse 26a entgültig festgelegt. Ich bin unter der obengenanten E-Mail Adresse zu erreichen.

 

Gegenstand dieser Lehrveranstaltung ist die nähere Auseinandersetzung mit den Schwingungsverhalten von Streichinstrumenten und Gitarren. Studierende werden durch Hands-on Experience mit einigen akustischen Messmethoden vertraut. Die Eingangsadmittanz, Richtcharakteristik der Abstrahlung, und andere Eigenschaften von Instrumenten durch teilweise einfache Experimente von uns analysiert. Akustische Probleme aus dem Alltag des Musizierens werden betrachtet und diskutiert: z.B. die Lautstärke bei der Gitarre, Kontrabass und Bratsche, Intonation mit dem Klavier, Triller-Tips, und mehr.

 

Für den positiven Abschluss dieser Lehrveranstaltung stehen mehrere Möglichkeiten den StudentInnen zur Verfügung. Bedingung dafür ist entweder

1) Die Anwesenheit und aktive Teilnahme an 70% von der Unterrichtszeit, oder

2) Haltung eines Referats von ca. 15 Minuten Länge über ein vereinbartes Thema, oder

3) Die Einreichung einer Schriftlichen Arbeit von ca. 5 Seiten über ein vereinbartes Thema.

 

Klicken Sie auf Literaturquellen um eine kleine Auswahl zu finden.

 

Ausschlaggebend für die positive Beurteilung ist der persönliche, kreative Einsatz der einzelnen TeilnehmerInnen.

 

Termine (klicken zum Protokoll):

Session I: Samstag, den 20. März um 9.30-12.30, Zi. 6a, Singerstrasse 26a

Session II: Samstag, den 24. April um 9.30-12.30, Zi. 6a, Singerstrasse 26a

Session III: Samstag, den 08. Mai um 9.30-12.30, Zi. 6a, Singerstrasse 26a

Session IV: Samstag, den 15. Mai um 9.30-12.30, Zi. 6a, Singerstrasse 26a 

Session V: Samstag, den 29. Mai um 9.30-12.30, Ort nach Vereinbarung

Session VI: Samstag, den 05. Juni um 9.30-12.30, Zi. 6a, Singerstrasse 26a 

 

Lehrplan (Änderungen vorbehalten!):

 

I) Grundkonzepte der Instrumentalakustik

   Hintergrund der Streichinstrumentenforschung   

   

II) Beschreibung von Schallwellen und ihre Fortpflanzung 

Schwingungsverhalten von einfachen Objekten bis zum Musikinstrument

Beschreibung einer Resonanz

Voraussetzung der Abstrahlung

Eigenschaften von Baumaterialien und Bauweise von Gitarren und Violinen

Vorführung von VIAS, Impuls-Hammer Admittanzmessungen.

     

III) Basis des akustisches Systems: Violine und Gitarre

Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten

 

Die Schwingende Saite: Theorie und Praxis

Zupf- oder Streichanregung

 

Der Bogen (die Stange, die Haare)

 

IV) Beschreibung der Helmholtz Luftresonanz, und was diese für eine Rolle beim musikalischen Klang eines Streich- oder Zupfinstruments ausmacht.

Praktische Anwendung der experimentellen Methoden:

Betrachtung der Saitenschwingung eines Kontrabasses mit dem Stroboskop.

Betrachtung der Spektralanalyse eines Kontrabasses beim Streichen.

Versuche mit einem Instrument im Reflexionsarmen Raum und mit der Analyse-Software S_Tools und mit Impuls-Hammer Admittanzanalyse.

 

V)  Praktische Anwendung der experimentellen Methoden: Arbeit mit dem Polytec Laser Vibrometer im Technischen Museum Wien. Treffpunkt am Haupteingang TMW um 10.15 Uhr! Kosten: €3,- (Wer nicht pünktlich ist, muss den vollen Preis von €8,- bezahlen!! Es steht Ihnen frei, ein Instrument oder sonstiges Objekt mitzunehmen, für eine Analyse (falls Zeit dafür ist).

 

VI) Zusammenfassung der Messtechniken und Ergebnisse mit Hinblick auf der Qualitätsbeurteilung von Musikinstrumenten

Wiederholung von Ergebnissen der in diesem Seminar durchgeführten Versuche:

    Stroboskop

    Dämpfer

    Response des Banjos mit und ohne hintere Abdeckung

    Eingangsadmittanzmessungen an Violinen, Kontrabässen, und Lauten

    Laservibtrometriemessung der Decke- und Bodenplatten einer Violine und Laute

 

Zur Qualität:

   Welche Frage stellt man?

   Wie kann man die gestellte Frage beantworten?

   Was ist eine signifikante Antwort?

 

 

Protokolle zu den Sessions:

 

Session I: Grundkonzepte der Instrumentalakustik

 

Protokoll:

 

Es wurden allgemeine Auskünfte zur Lehrveranstaltung bekannt gegeben. Der nächste Termin wurde mit Genehmigung der anwesenden Teilnehmer am 17. April, um 9.30 Uhr festgelegt. 

Ein Vortrag über wichtige Forscher der Streichinstrumentenakustik und historische und zeitgenössische Messmethoden wurde gehalten.

Laservibrometriemessungen einer Schadhaften Gitarre und von zwei Kontrabässen wurden gezeigt und diskutiert.

 

Notizen:

Gute Links zu Grundlagen der Instrumentalakustik:

 

Session II: Grundkonzepte der Streichinstrumentenakustik

 

Protokoll:

Es wurden Grundkonzepte erklärt wie periodische- und nichtperiodische Schwingungen, deren Fortpflanzung durch Medien wie Luft, Wasser, Holz und Stahl, Resonanzen, natürliche Schwingungsformen von Objekten wie Stäbe und Trommelfelle.

Es wurde im zweiten Teil der Echt-Zeit Spektralanalysator vorgeführt mit Hilfe des Kollegen Baumgartner auf der Violine. Zwei Eingang-Admittanzmessmethoden wurden vorgezeigt: mit dem VIAS Messgerät und mit einem Hammer-Impuls mit dem freundlichen und zeremoniellen Opfer der Niel'sche Violine (Spaß).

 

Notizen: Es wird empfohlen, das Skriptum des Pflichtfachs "Musikalische Akustik" von Prof. Widholm zu besorgen.

Ich freue mich wenn Teilnehmer Ihre Instrumenten mitbringen!

 

(Update 05.14.04)

 

 

Session III: Grundkonzepte der Instrumentalakustik

 

Protokoll:

 

Es wurde der Stoff von Session II kurz gefasst und wiederholt.

Es wurden Eigenschaften der theoretische und reale Streich- und Zupfsaite präsentiert mittels Powerpoint. Ein extrem verlangsamtes Video von einer gestrichenen- und einer gezupften Saite wurde gezeigt. Die Helmholtzwelle einer gestrichenen Violinensaite wurde mit dem Stroboskop beobachtet. Der Einfluss eines Dämpfers wurde durch Echt-Zeit Spektralanalyse beobachtet. Der Holzdämpfer machte einen leichten hörbaren und sichtbaren Unterschied. Der Hoteldämpfer aus stahl hat den Klang Extrem reduziert!

 

Notizen:

 

Nicht vergessen!! Der Termin am 29.05.04 findet um 10.15 Uhr im Technischen Museum Wien statt. Kosten (für pünktlich-kommende): €3,-.

Gute Links zu Grundlagen der Instrumentalakustik:

 

Session IV: Praktische Anwendung von Messtechniken der Instrumentalakustik

 

Protokoll:

 

Es wurde Eingangsadmittanzmessungen mit dem Impulsehammer (eingangsignal) und Beschleunigungsaufnehmer (Ausgangssignal) an einem Banjo und einer Laute durchgeführt. Die Messungen an der Laute, normal zur Decke auf der Diskant- und Bass-Seite des Steges, zeigten, dass eine Decken-Hauptresonanz bei ca. 100 Hz vorhanden ist. Die Messungen haben auch angedeutet, dass ein Knotenpunkt an der Schlagstelle der Bass-Seite des Steges vorhanden ist.

Die Abstrahlung des 5-Saitigen Banjos wurde im Schalltoten Raum mit seiner hinteren Abdeckung (siehe Bild) und ohne Abdeckung durch eine Frequency-Response Messung getestet. Das Banjo wurde am Hals beim Wirbelstock gehalten, mit einem Sinus-Sweep senkrecht zum Steg mittels einem Shaker angeregt und die Abstrahlung mit einem AKG C414 Mikrofon mit 100 cm Entfernung aufgenommen. Nach der RMS-Analyse der Signalenergie wurde bei Vergleich beider Kurven einen energiestärkeren Bereich beim Abgedeckten Banjo vorgefunden. Die Hypothese, dass tiefe Frequenzen beim Abgedeckten Banjo stärker vertreten sind wurde also  bewiesen.

Schließlich wurde ein Kontrabass beim Streichen und Zupfen mit dem Stroboskop beobachtet. Wenn die Frequenz des Stroboskops FAST der Frequenz der Saitenschwingung gleicht (oder verdoppelt), kann man die Form der (imperfekten) Helmholtz-Schwingung am Bass ausgezeichnet beobachten. Auch die Schwingungen des Saitenhalters und des Ohren eines F-Loches waren beim zupfen der tiefen E-Saite wirklich gut zu sehen.

 

 

Session V: Praktische Anwendung von Messtechniken der Instrumentalakustik: Verwendung des Polytec Laser-Vibrometer im Technischen Museum Wien

Protokoll:

Nach pünktlichen Eintreffen bei der Kassa um 10.15 Uhr (danke an alle!) ist die Gruppe zum ausgestellten Laser Vibrometer im 2. Stock geführt worden. Nach einer kurzen Einführung in die Doppler-Laservibrometrie, wurde es Versucht eine Messung durchzuführen. Die nicht-reibungslose Vorbereitung des Geräts (Stromausfall, Fehlendes Passwort, fremde Eistellungen) führte zu Problemen die nur während einer längeren Pause (Kaffe für die Teilnehmer!) erfolgreich gelöst werden konnten.

Die Deck- und Bodenplatten einer nicht spielfertigen, weißen Violine wurden angeklopft, um die Hauptresonanzen zu erkennen und die Vibrometrie Messung vorherzusagen. Die Hauptresonanz der Decke wurde als Klingendes "G" gehört und daher um ca. 200 oder 400 Hz geschätzt. Nach einer erfolgreichen Messung wurde die erste Deckenresonanz (T1) tatsächlich um 400 Hz gefunden (Bild links unten). Die weitere Schwingungsformen der Decke wurden auch am Bildschirm durch verschiedene Darstellungsmöglichkeiten beobachtet. 

Eine ähnliche Vorhersage wurde bei der Bodenplatte versucht. Der Hauptklopfton (in der Mitte der Platte) wurde auch als G geschätzt, also wieder ca. 400 Hz (Bild mitte oben). Ein zweiter Ton wurde angeregt beim klopfen im unteren Bereich der Bodenplatte, und zwar mit einem tonlichen Abstand von einer kleinen Terz höher. Dafür verantwortlich: die Resonanz um 475 Hz (Bild rechts oben). Es wurde also deutlich gezeigt, dass der Laservibrometer werwendet werden kann, um Schwingungsmuster (Modi) und ihre Frequenzen zu messen und anzeigen. Natürlich haben wir in dieser kurzen Vorführung nur ein Bruchteil der Analysemöglichkeiten des Laservibrometers verwendet.

Die Resonanzen des hier beobachteten Instrumentenkorpus können wesentlich zur Frequenzresponse der Violine und zur Abstrahlung beitragen. Der Geigenbauer steuert die Frequenzen und Getaltung von den Schwingungsmodi, um eine erwünschte, d.h. "Gute-Violine-ähnliche" Resonanzkurve zu erzielen. Die übliche Methode in der Geschichte des Geigenbaus ist die Vewendung von Klopftöne, kombiniert mit tranierten Ohren, und wie wir gesehen haben, funktioniert es auch tadellos!

Die Decke und Boden einer Laute des Kollegen Hadnagy wurde dann auch gemessen. Die tiefe erste Resonanz der Deckplatte, die bei 110 Hz im Bereich des Kontrabasses liegt, lässt sich leicht erklären: obwohl die Fläche bei der Kontrabassdecke viel größer ist, ist die Stärke der Lautendecke viel dünner. D.h., die Decke des Basses ist pro Einheit Fläche viel steifer. Die Position und Resonanzen der Unterstüzungsbalken der Laute hat man durch die Laservibrometrie gut beobachten können (Bild unten). Es hat sich wie erwartet erwiesen, dass die Schwingungen des gewölbten Bodens wegen des schwachen Signals und der schwachen Kopplung zur Decke nicht besonders gut zu beobachten waren.

Die zwei Diagramme zeigen den Unterschied um ca. 525 Hz: die an der Bass-Seite des Steges gemessene Kurve weist in der Admittanz eine Spitze auf, die auf der Diskant-Seite nicht vorhanden ist. Weiter unten sind die Laseranalysen von den Resonanzen des Stegbereichs an der Decke. Der ganze Steg schwingt in Phase normal (senkrecht) zur Decke bei 250 Hz, daher die gleiche Spitzen in der Admittanzkurve. Bei 525 Hz befindet sich ein Knotenlinie durch den Steg. Die zwei Hälften Schwingen also gegenphasig normal zur Decke und verursachen den unterschiedlichen Spitzen in der Admittanzkurve.

Bilder: die mechanische Admittanz des Steges, gemessen mit dem Impulshammer und Beschleunigungsaufnehmer an der Bass-Seite (oben) und auf der Diskant-Seite (unten) des Steges.

Oben: Die Deckenschwingung einer Laute bei ca. 250 Hz,  und unten: die Deckenschwingung bei ca. 525 Hz.

Dieses Messsystem ist nur eine von vielen Möglichkeiten, das eigene Resonanzverhalten eines Saiteninstruments zu quantifizieren. Messmethoden beeinflussen oft das Resonanzverhalten des Messobjekts, aber dieser Einfluss kann so gering wie möglich gehalten und in den Messergebnisse berücksichtigt werden. Im Falle der Laute, z. B., stellt der Shaker (mechanische Anregung) am Steg der Laute eine zusätzliche Masse dar. Daher werden gewisse Resonanzen dedämpft oder ihre Frequenzen leicht verschoben. Die Laute ist auch auf einem Stativ montiert, das auch die Schwingungen des Halses im tiefen Frequenzbereich stört (allerdings werden diese auch in der Praxis von den Musiker/ der Musikerin auf anderer Art und Weise gedämpft!). Mit der Verwendung des Shakers kann man aber das genaue Eingangssignal mitmessen, Phaseninformation gewinnen und Störungen wegrechnen um die Eigenschaften des Objekts viel akkurrater zu erfassen. Für unsere einfache Messung ist eine Annahme notwendig: dass Störungen minimal sind und, dass wichtige Informationen der Messung trotzdem enthalten sind.

Die Violine wurde widerum mit einem Lautsprecher angeregt (akustische Anregung). Während die Halsresonanzen durch die Aufhängung gedämpft wurden, sind die Korpusresonanzen berührungslos angeregt und abgetastet gewesen. Wir haben verzichtet auf quantitative Phasendaten, haben dafür (fast) völlig ungedämpte Schfwingungsformen und Frequenzen am Korpus. In der Praxis müssen also die Vor- und Nachteile von der jenigen Methode abgewogen werden um die beste Lösung zu einem spezifischen Problem finden zu können. Eine Batterie von verschiedene Methoden ist wahrscheinlich der beste weg um die tatsächliche Eigenschaften eines Saiteninstruments zu erfassen.

 

Notizen:

Danke nochmals an Mag. Donhauser und Frau Prucha des TMW für die Möglichkeit das Gerät zu benutzen und den ermäßigten Eintritt zu ermöglichen! Und danke auch an den Teilnehmer und meinem Assistenten, Andreas!

 

Themenvorschläge zum referieren und schreiben:

Literaturquellen (Auswahl):

Gute Links zu Grundlagen der Instrumentalakustik:

(Update 05.06.04)

Inhalt ©2004 Andrew Brown. Alle Rechte Vorbehalten.